Schiefen – ein Problem für Reiter und Sattler

Schiefen sind ein häufiges Thema bei der Sattelanpassung. Haben Sie Probleme mit seitlichen Schiefen, sitzen Sie z.B. permanent zu einer Seite, lässt sich ihr Pferd einseitig schlecht biegen, hat es einseitig Probleme mit Seitengängen, etc., lohnt sich ein Blick auf die Unterseite Ihres Sattels. Wobei die Frage, was hier Ursache und was Wirkung ist, erst einmal offen bleibt.

Fakt ist, ein schiefer Sattel macht es Ihnen unmöglich die natürliche Schiefe ihres Pferdes authentisch zu fühlen und folglich als Reiter korrekt zu „bearbeiten“.  Ebenso ist es dem Pferd damit unmöglich, ohne zu kompensieren, seine Arbeit als Reitpferd zu tun. Auf lange Sicht sind hier Probleme und Schäden am Rücken und/oder Bewegungsapparat vorprogrammiert. Und zu guter Letzt können auch Sie, als Reiter Schaden nehmen. Mir ist tatsächlich eine junge Reiterin bekannt, die bereits als 12jährige eine Arthrose in der Lendenwirbelsäule diagnostiziert bekam. Vermutlich eine Folge des regelmäßigen Reitens auf einem beeindruckend schiefen Pferd.

Gehen Sie in eine x-beliebige Sattelkammer und achten Sie mal auf die Symmetrie der Sattelkissen. Sie werden kaum wirklich gerade Kissen finden. Es sei denn es handelt sich um Latexkissen, oder, hoffentlich nicht, Formschaumkissen.

Das liegt daran, dass es weder gerade Menschen, noch gerade Pferde, und auch keine gerade Kühe als Rohstofflieferanten für das Kissenleder, gibt.

Die Kissenfüllung, sprich Polsterwatte, passt sich den Schiefen Gegebenheiten von oben (Reiter) und unten (Pferd) an und verändert entsprechend dessen Form.

Nur mit einem geraden Sattel können Sie die tatsächliche Schiefe Ihres Pferdes beurteilen

Egal, ob Reiter oder Pferd die Ursache für die Schiefe sind: reiten Sie weiter damit, werden Sie mit der Ausbildung irgendwann an einen Punkt kommen, an dem ihr Pferd das nicht mehr kompensieren kann. Dann ist eine positive Entwicklung nicht mehr möglich. Das Grundproblem ist allein mit der Korrektur des Sattels nicht behoben, aber nur mit einem geraden Sattel können Sie es beheben.

Je nach Ausbildungsstand, Bemuskelung, Geschmeidigkeit und Alter wird es unterschiedlich lange dauern, bis ein Reiter-Pferd-Paar aus einem schiefen Bewegungsmuster ein (möglichst) gerades gemacht hat. Bei einigen wird die Unterstützung von Physiotherapeuten oder Ostheopathen für Mensch und Tier nützlich sein. Bei anderen, z.B. mit einer Skoliose oder weiteren, nicht behebbaren Schiefen, wird es nötig sein, die Schiefe des Sattels immer wieder zu korrigieren. Oder sich mit anderen Sattelkonzepten (z.B. www.baloun-flexisaddles.de) zu beschäftigen, die diese ständigen (und teuren) Korrekturen unnötig machen.

Wie gesagt, gibt es keine wirklich 100%ig geraden Sattelkissen. Bis zu einem gewissen Grad kann man schiefe Sattelkissen tolerieren. Wann also ist es unumgänglich, die Schiefe des Sattels zu korrigieren? Und das  möglichst bevor sich Probleme zeigen.

Junge, sehr schmale und unausbalancierte Pferde reagieren auf schiefe Sattelkissen besonders empfindlich. Ist das Sattelkissen weich und frei von Knoten, können Sie gerade und frei aufrecht sitzen und ihr Pferd zeigt keinerlei Probleme, hat eine gute Statik und ist gut ausbalanciert, dann scheint die Schiefe im Toleranzbereich zu liegen.

  Optische Sattelkontrolle

Legen Sie sich den Sattel so hin, dass Sie die Kissen der Länge nach betrachten können. Vergleichen Sie das rechte und linke Sattelkissen hinsichtlich der Winkelung. Ist eines der Kissen dicker oder aufgewölbter? Breiter oder schmaler? Ziehen vielleicht beide Kissen zu einer Seite?

Überprüfen Sie auch den Baum! Legen Sie sich den Sattel so hin, dass Sie von vorne in die Kammer sehen können. Manche Sättel, die in der Vergangenheit unfachmännisch geweitet wurden, weisen schiefe Kopfeisen auf. Dann drehen Sie den Sattel um und legen z.b. einen Zollstock oder eine längere Leiste in den Kammerkanal. Hat die Wölbung rechts und links davon den gleichen Winkel? Verläuft der Baum auf ganzer Linie gerade?

Falls nicht, sollten Sie diesen Sattel auf keinen Fall weiter nutzen! Drücken Sie sich jetzt den Hinterzwiesel in die Hüfte, und umfassen den vorderen Teil mit den Händen und versuchen den Sattel zu bewegen. Wenn Sie jetzt knirschende Geräusche hören, ist wahrscheinlich der Baum defekt. Auch dann ist dieser Sattel nur noch als Kneipenhocker brauchbar.

Haptische Sattelkontrolle: trauen Sie Ihren Augen nicht!

 

Dazu legen Sie sich den Sattel so hin, dass Sie die Kissen umfassen können. Lassen sich die Kissen überall gleichmäßig zusammendrücken? Ist überall Polsterwatte? Fahren Sie mit den Händen mit etwas Druck die Kissen entlang. Finden Sie Knoten, Dellen oder Lücken? Bei manchen Sätteln ist die Polsterung dermaßen dünn, dass Sie sich mit den Händen auf 0 cm zusammendrücken läßt. Was glauben Sie passiert, wenn Sie eine solche Polsterung  mit 75kg belasten? Sie sitzen auf dem nackten Baum. Sehr unangenehm für Ihr Pferd. Wenn Sie mit den Fingern zwischen Kissen und Baum kommen, finden Sie Erhebungen auf der Baumunterseite? Wenn ja, ist genug Polster da, um das auszugleichen?

Nach dem Polstern:

Versuche eine Seite nach zu polstern, um die Kissen wieder gleichmäßig zu machen, gehen in der Regel schief. Wer hier spart, spart am falschen Ende. Sie haben jetzt vermutlich unterschliche Polsterwatten, in unterschiedlichen „Setzungsstadien“ in Ihren Kissen. Das heißt, die Kissen sind unterschiedlich weich und unterschiedlich nachgiebig / anpassungsfähig an die Bewegung des Pferderückens. Vermutlich wird ihr Pferd über kurz oder lang irritierter sein als vorher. Unterschätzen Sie die Anstrengung nicht, die das zu kompensatieren vom Pferd fordert und die möglichen pathologischen Folgen für ihr Pferd.  Um das reel zu korrigieren ist es erforderlich, die Polsterwatte komplett zu ersetzen. Nur dann haben Pferd und Reiter die Chance sich selbst zu begradigen.

Die Kissenleder haben sich ebenfalls verformt, vor allem, wenn die letzte Korrektur länger her ist. Deshalb kann ihr Sattler hier nur nach Gefühl und nicht nach Optik polstern. Bei der optischen Überprüfung wird der Sattel also vermutlich weiterhin schief aussehen. (Das trifft übrigens auch auf Knoten im Polster zu. Die Anpassung des Kissenleders an die Polsterwatte ist nicht so einfach rückgängig zu machen).

Sind die Kissen gleichmäßig gefüllt, und werden im Anschluss gleichmäßig belastet, wird sich die Polsterwatte auch gleichmäßig setzten und der Weg zum geradegerichteten, ausbalanciertem Reiten steht Ihnen wieder offen.

 

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